Boßeln, Klootschießen - wie bitte?

Klootschießen ist eine in Norddeutschland, vor allem an der Küste, bekannte Sportart. Sie ist schon viele Jahrhunderte alt, weitaus älter als das Boßeln. Es ist eine relativ schwierige Wurfart, die Schnelligkeit, Kraft und Konzentration voraussetzt. Wahrscheinlich ist das Klootschießen aus einer vorzeitlichen friesischen Waffe entstanden; die friesischen Kämpfer sollen gefürchtet für ihre Wurfgeschosse gewesen sein. Der Begriff Kloot kommt aus dem Niederdeutschen und leitet sich von Kluten her. Mit Kluten ist ein Erdklumpen gemeint. In der Weiterentwicklung dieses Sports benutzte man schwere Flintkugeln und zweipfündige Eisenkugeln. Später wurde Holz des Apfelbaums zu faustgroßen Kugeln verarbeitet, die man kreuzweise durchbohrte. Ziel des Spieles ist es, mit kurzem Anlauf und Absprung von einer Rampe eine kleine Kugel so weit wie möglich zu werfen.

Es gibt sogar Weitwurf-Rekorde: 1935 übertraf der Ostfriese Gerd Gerdes erstmals überhaupt die 100-Meter-Marke. Diese Rekordweite hatte Bestand bis 1985, als der Auricher Harm Henkel 102,00 Meter warf. Dieser Rekord wurde am gleichen Tag von dem „Bär von Ellens“ Hans-Georg Bohlken mit 105,20 überworfen. Die aktuelle Rekordweite mit 106,20 Meter hält Stefan Albarus aus Norden in Ostfriesland.

Beim Boßeln geht es darum, in unterschiedlichen Varianten auf freien Flächen (Felder, Wiesen), öffentlichen Straßen und befestigten Wegen eine zuvor festgelegte Strecke mit möglichst wenigen Würfen zu bewältigen. Und natürlich sind beide Sportarten auch vereinstechnisch bestens durchorganisiert. Es gibt den Friesische Klootschießer-Verband (FKV) mit dem Landesklootschießerverband Ostfriesland (LKV) und dem Klootschießerlandesverband Oldenburg (KLV); den Verband Schleswig-Holsteinischer Boßler (VSHB), die Nordhorner Sport-Kloatscheeter Vereinigung (NSKV) sowie den Klootschießer- und Boßelverband Nordrhein-Westfalen (KBV NRW).

Zurück